Geboren am 30.12.1924 in Nîmes, gestorben am 3.5.1973 in Antibes.
Als Soldat in Indochina saß er 160 Tage im Gefängnis, gewann die ›Croix de Guerre‹ und verlor alle Illusionen. 1948 kehrte er, körperlich angeschlagen vom unfreiwilligen Kreuzzug, auf den väterlichen Winzerhof zurück. Zum Zeitvertreib spielte er Klavier und begann zu zeichnen, »wie ein Höhlenmensch«. 1952 rollte er 49 seiner Zeichnungen in eine Zeitung ein und fuhr nach Paris. In der Redaktion von ›Paris Match‹ erfuhr er, daß er ein Genie sei, eine Woche später erfuhr es ganz Frankreich. Das Militär war anderer Meinung: 1958 wurde Bosc wegen Verunglimpfung der Armee zu einem Monat Gefängnis auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Durch ein Nervenleiden immer mehr geschwächt, machten ihm nicht nur das Zeichnen, sondern selbst Gehen und Stehen zunehmend Mühe. Aus »diesem Leben ohne Hoffnung« schied er mit 49 Jahren.
»Einer der größten Cartoonisten des 20. Jahrhunderts.« Süddeutsche Zeitung, München
»Boscs Figuren haben das Leben satt und sind doch grenzenlos hungrig nach Liebe. Der Bosc-Mensch ist ein lebensmüder Erotomane. Jedes Mikrodrama endet mit der Niederlage seines Hauptdarstellers. Boscs Sessel ist wie Becketts Mülltonne: das Bühnenbild zu einsamen Endspielen, wo man hockt, wenn alles Denken, alles Leben schwindet. Es gibt allerdings auch Geschichten mit zwei Sesseln. Die enden dann nicht in Einsamkeit, sondern in trübsinniger Zweisamkeit – an der Seite eines jener Schreckensgeschöpfe, die dem Bosc-Menschen zuletzt übrigbleiben. Bei der Frau, die er bekommen hat, rächt er sich dann für die Mißerfolge bei all denen, die er nicht bekommen hat. Siege in der Liebe gibt es für ihn nicht – nur das endlose Unentschieden (Ehe genannt) oder die totale Niederlage. Einer der größten Cartoonisten unserer Zeit.« Benjamin Henrichs / Süddeutsche Zeitung, München
»Bosc kommt es nicht auf die Karikatur der Einzelpersönlichkeit an, ihn interessiert die Gattung, der ›Homo sapiens‹. Der weise Mensche, der oft so viel Unsinn verzapft. Und den will Bosc treffen, was ihm auch restlos gelingt.« Das Magazin, Berlin
»Bosc, ich und einige andere Anfänger wurden Freunde. Wir beschimpften uns ständig… Bosc trug eine Miene intensiven innerlichen Vergnügens zur Schau. Und wie er sich Sorgen machte um seine Zeichnungen! Er zeichnete auf granuliertem Papier, was seinem Strich ein leichtes, sehr ausdrucksvolles Zittern verlieh. Und die Einfälle! Ach, diese Einfälle! Alle Zeichner liebten Bosc. Manche sogar mit leidenschaftlicher Bewunderung…« Jean Jacques Sempé
»Bosc fand seinen Weg nachdem er Chaval – einen anderen Meister der französischen Zeichnung der Nachkriegszeit – kennenlernte, der mit seinem vielschichtigen Humor zugleich grausam und traurig, zart und poetisch sein konnte. So wie Chaval war auch Bosc.« Jacques Michel / Le Monde, Paris
»Jeder Bosc-Cartoon ist ein Sketch. Er ist der bühnenreife Autor mit der Zeichenfeder. Moralist, Spötter und Philosoph zugleich, wirft er den Menschen seine Episteln hin: ›Bitte, das seid Ihr? Höre ich recht? Ich lacht darüber? Meinetwegen, ich weiß ohnehin, daß Euch nicht zu helfen ist!‹« Anton Sailer / Westermanns Monatshefte, München
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