Im knöchellangen Pelzmantel, den Blue Jeans und den viel zu weißen Tennisschuhen wurde der Art Director des Verlags Doubleday & Co. als letzter Viktorianer und erster New Yorker Exzentriker stadtbekannt. Weltbekannt machten ihn seine »sublimen, absurden und mystischen« (Oskar Kokoschka) Bilder. Die Ehrungen seines Werkes reichen vom Deutschen Jugendbuchpreis für ›Schorschi schrumpft‹ bis zu einem Verbot durch das österreichische Innenministerium wegen Pornographie. Als ›Ballettomane‹ besuchte Gorey jahrzehntelang fast allabendlich das New York City Ballet und sah über 800mal den »Nußknacker«, allein 78mal mit seinem Lieblingstänzer Balanchine. Als dieser in Rente ging, verließ auch Gorey New York und zog nach Cape Cod, wo der Pessimystiker heute, umgeben von 15000 Büchern und etlichen Katzen, zurückgezogen lebt.
»Sublim, absurd und mystisch.« Oskar Kokoschka
»Gorey steht auf einer Stufe mit Gustave Doré, René Magritte, Max Ernst und Edgar Allan Poe.« Mel Gussow / The New York Times
»Wie das Schicksal mit Figuren, spielt Edward Gorey mit Worten und Erzählformen.« Peter Stamm / Das Magazin, Zürich
»Gorey, der Protagonist des schwarzen Humors, verbindet die phantastische Welt von Lewis Carroll mit der bösen von Alfred Hitchcock. Seit über dreißig Jahren dichtet er nun schon an einer Bilderwelt, in der das Außergewöhnliche gerade schicklich und die unmöglichste Wendung die einzig passable ist. Durch ihn lebte eine literarische Gattung wieder auf: die illustrierte, die Moritat.« Brigitte Ashoff / Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Gorey ist eine Doppelbegabung. Seine Texte sind genauso gekonnt stichelnd und phantasievoll boshaft wie seine Zeichnungen.« Graphis, Zürich
»Alben voll bezaubernder Federzeichnungen, versehen mit Texten in sorgfältig von Hand ausgeführten Druckbuchstaben, gruselig, komisch und letztlich oft beängstigend. Seine Bücher wirken wie die Überreste einer einst stolzen, nun aber zerstörten Kultur, deren Untergang nicht durch schwindende militärische oder wirtschaftliche Kräfte herbeigeführt wurde, sondern durch das Eindringen des Unerklärlichen - willkürliche Grausamkeit und Wellen von Angst und Überdruß kennzeichnen diese Bändchen, ungewöhnliche Formulierungen, noch ungewöhnlichere Waffen, und schemenhaft vorüberhuschende, nur aus dem Augenwinkel sichtbare Schreckgestalten. (…) Auf den ersten Blick wirkt ein Buch von Gorey wie ein Capriccio für Kinder, aber dieser Eindruck wird schnell widerlegt. Schon nach einigen Seiten, manchmal auch gleich zu Anfang, passieren die gräßlichsten Dinge. … Dem Leser, der glaubte, sich auf ein zuckersüßes Phantasiegebilde eingelassen zu haben, fällt es wie Schuppen von den Augen. Wenn man Gorey liest, kommt man sich vor, als verliere man seine Unschuld - doch mit zunehmender Beklommenheit schlägt alles ins Gegenteil um. Seine Opfer sind zu nichtssagend, um Furcht oder Mitleid zu erregen, und sein Stil ist zu nüchtern für händeringende Verzweiflung. Die einzige Möglichkeit ist zu lachen, was man denn auch tut. In einem wunderschönen, aber unterschätzten Buch von 1962 mit dem Titel ›Die Draisine von Untermattenwaag‹ begleitet Gorey drei seiner typisch farblosen Personen aus der Zeit um die Jahrhundertwende auf einer Reise mit der Draisine durch Amerika und liefert uns dabei ein subtiles und zugleich sehr dezidiertes Bild des menschlichen Lebens. ›Die Draisine von Untermattenwaag‹ ist so etwas wie ein pervertierter amerikanischer Schelmenroman; man fühlt sich an ›Huckleberry Finn‹, ›On the Road‹ oder ›They live by Night‹ erinnert, nur sind die Personen weder Schurken noch Rebellen, sondern die üblichen, durch die Zeit rasenden Gorey-Nullen. Mit ausdruckslosem Pokergesicht durchqueren sie eine Landschaft, die von D.W. Griffith stammen könnte, während sich ringsum geheimnisvolle Katastrophen ereignen - manche können kurzzeitig fesseln, andere werden nur verschwommen wahrgenommen, alle bleiben sie ohne besondere Folgen. Diese Reise umgibt, wie so oft bei Gorey, eine mysteriöse, fast metaphysische Aura; am Ende verschwinden die drei Gefährten auf Nimmerwiedersehen in einem Tunnel.« Stephen Schiff / The New Yorker
»Eerily enchanting works from the undisputed master of the deepest graphic sublime.« Glen Baxter